In dieser zwölften Folge von „Spielend subversiv“ spüren wir, Marina Weisband und Lena Falkenhagen, noch einmal der Frage von Episode 11 nach, was Immersion im Liverollenspiel eigentlich bedeutet und welche Ziele Spielende dabei verfolgen. Ausgangspunkt ist die Frage, wie man zwischen den Interessen der Figur und denen der spielenden Person differenziert – und ob das nötig ist. Wir können hoffentlich verdeutlichen, dass diese beiden Ebenen oft nicht deckungsgleich sind; ja sich vielleicht sogar widersprechen.

In der letzten Episode haben wir diskutiert, dass vollständige Immersion weder möglich noch wünschenswert ist. Und doch betont Marina, dass Immersion nötig ist, weil ohne das Einfühlen in Ziele, Gefühle und Leid der Figur kein Struggle und damit kein Spiel entstehe. Die Frage ist – wo muss die Immersion notgedrungen enden?
Danach wenden wir uns der Frage zu, warum Spielende oft bewusst gegen die Interessen ihrer Figuren handeln müssen, um Spiel zu erzeugen. Lenas Hypothese: wer nur immersiv spielt, spielt eigentlich Play-to-Win. Ich bestehe auf Steuerung im Spiel, um Play-to-Drama oder Play-to-Lose möglich zu machen. Aus beiden metaspielerischen Techniken entstehen Spannung, Konflikt und gutes Spiel für andere.
Problematisch wird zu tiefe Immersion dort, wo Spielende in Funktionsrollen Entscheidungen treffen müssen, damit andere Spielende Spaß und Handlung haben, diese Entscheidungen aber nicht der Spielerin, sondern der Figur zugeordnet werden. Dadurch werden Spielende oft für einen Liebesdienst bestraft, den sie anderen Spielenden tun.
Zum Schluss sprechen wir über Designfragen, Funktionsrollen und die Grenzen von Intrigen- und Lügen-Spiel. Wir sind uns einig, dass Rollen so angelegt sein sollten, dass ihre Funktion zum Spiel passt und möglichst wenig unnötige Konflikte erzeugt. Wir lesen Immersion als Wirkung, die nur gut funktioniert, wenn Charakterlogik, Spielinteresse und das Miteinander der Gruppe zusammenpassen.
Eine Frage können aber auch wir nicht abschließend beantworten: wie soll man eine so komplexe fiktive Welt „lesen“, deren Informationen oft aus unterschiedlichen und widersprüchlichen Quellen, aus Spielerhandlung oder Charaktermotivation stammen?
Was ist eure Meinung dazu? Muss man alle Informationen auf der immersiven Ebene lesen können, oder muss man als Spielerin auch OT mitlesen?
Larp picture by Bartek aka. Rekografia.
Larp „The Forbidden History“ by Atropos Studio.
Lena Falkenhagen
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Marina Weisband
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